Wenn in China ein Sack Reis umfällt, interessiert das meist niemanden. Dass dort aber vor mehr als viereinhalbtausend Jahren ein Blatt lautlos zu Boden sank, hatte weit reichende Folgen. Denn der Wind trug es direkt in eine Schale mit heißem Wasser, die Kaiser Shen Nung ca. 2700 v. Chr. in seinem Garten trank. Der bemerkte nicht nur verwundert, dass die Flüssigkeit plötzlich goldbraun strahlte – sie schmeckte auch viel besser! Die Teepflanze war ge- und der Tee erfunden, was natürlich eine Legende ist.

Als gesichert hingegen gilt, dass das neue Getränk von China aus allmählich die Welt eroberte. Chinesische Heilkundige setzten es wegen seiner wohltuenden, belebenden Wirkung zunächst bei Kranken ein. Mit buddhistischen Mönchen gelangte der Tee um 500 n. Chr. nach Japan, wo sich ein meditatives Zeremoniell daraus entwickelte: Weil es ultralangsam die Achtsamkeit schult, findet es gerade in unserer schnell getakteten Zeit auch viele Anhänger in Europa. Hier kamen die ersten Teelieferungen vor rund 400 Jahren mit holländischen und englischen Handelsschiffen an. Sie waren so teuer, dass sich zunächst nur Adlige und vermögende Bürger diesen Luxus leisten konnten. Darunter vor allem: Damen. Tee war ein (heilsames) Frauengetränk.

Übrigens hat der Name, vielleicht als einziges chinesisches Wort, in fast alle anderen Sprachen Eingang gefunden – in zwei Varianten: Denn während das chinesische Zeichen für Tee im Mandarin „Cha“ ausgesprochen wird (daher etwa das indische „Chai“), klingt es im Süden eher wie „Tee“. Du kannst also schon ein Wort Chinesisch.